Aufstieg durch Bildung
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"Ich entdeckte neue Welten"

Tim-Thilo Fellmer, Kinderbuchautor, ehemaliger funktionaler Analphabet

Lesen und Schreiben lernen fiel mir von Anfang an schwer. In der Grundschule stellten die Lehrer nach einiger Zeit fest, dass es dafür einen Grund gab: Legasthenie. Ich konnte die geschriebene Sprache nur schwer in die gesprochene umsetzen und umgekehrt. Bis zu meinem Hauptschulabschluss kämpfte ich weiter mit den Buchstaben.
Nach der Schule wollte ich dann etwas machen, was möglichst wenig mit Lesen und Schreiben zu tun hatte, und wurde Kraftfahrzeugmechaniker. Doch die Arbeit in der Werkstatt hinterEintrag im Buch der Bildungsrepublik, Tim-Thilo Fellmer, 2. von rechtsließ bei mir eine Unzufriedenheit. Es blieb immer das Gefühl, dass es noch etwas anderes für mich geben musste. Ich probierte Verschiedenes aus: Ich machte mich selbständig und verkaufte Eis, arbeitete im Außendienst in der Gastronomie, fuhr Taxi und verkaufte Autos. Doch immer wieder gelangte ich an den Punkt, an dem ich beruflich, aber auch persönlich nicht mehr weiterkam und meine mangelnden Lese- und Schreibfähigkeiten mich einschränkten.
Schließlich beschloss ich, endlich richtig lesen und schreiben zu lernen. Ich meldete mich an der Volkshochschule zu einem Lese- und Schreibkurs an und habe mir zusätzliche Hilfe durch privaten Unterricht gesucht. Das waren auch manchmal Freunde, die privat beim Lesen und Schreiben lernen halfen. Zuhause habe ich außerdem das Lernportal des Deutschen Volkshochschul-Verbandes ich-will-lernen.de genutzt. Das Portal ist kostenlos und ich konnte auch abends nach der Arbeit meine Übungen im Internet machen. Schritt für Schritt, über viele Jahre hinweg, wurde das Lesen und Schreiben für mich etwas einfacher. Es war ein langer Weg, doch eines Tages verloren die Buchstaben ihren Schrecken und ich entdeckte neue Welten. Ich begann, Bücher zu lesen. Dann kam der Wunsch auf, selbst ein Buch zu schreiben. Das ist mir gelungen. Heute schreibe ich bereits an meinem zweiten Kinderbuch. Ich habe einen eigenen kleinen Verlag, in dem ich meine Bücher selbst herausgebe und arbeite außerdem als Taxifahrer.
Es war für mich sehr schwierig, mich dem Problem zu stellen, als Erwachsener nicht richtig lesen und schreiben zu können. Ich möchte funktionalen Analphabeten Mut machen. Es ist nie zu spät, mit dem Lernen zu beginnen. Und es gibt Hilfe. Diese Unterstützung sollten funktionale Analphabeten annehmen und versuchen, sich selbst zu vertrauen. Dann eröffnen sich ganz neue Chancen. Vielleicht sogar als Schriftsteller ...

Eintrag in das Buch der Bildungsrepublik, Prof. Dr. Rita Süssmuth

 

 

 

 




Quelle: www.aufstieg-durch-bildung.info/de
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